Offener Brief an die Stadt, Politik, Eltern und Presse

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Nach jahrelanger Arbeit in einem maroden Schulgebäude (kaputte Fenster, bröckelnder Putz, tropfende Decken, stinkende Toilettenrohre) steht das Team der GPGS einem Neubau grundsätzlich positiv gegenüber. Das Gelände zu verlassen lag aber nie in unserem Interesse. Wir hätten es aus pädagogischer Sicht begrüßt, ein neues Schulgebäude auf unserem bisherigen Gelände zu bekommen, das mehr Schonraum für Grundschüler bietet. Diese "pädagogisch beste Version" wurde von der Politik aufgrund des Budgets im Entscheidungsprozess frühzeitig als zu teuer "abgeschmettert". Neuberechnungen aller Standortvarianten wurden im Laufe der Umzugsplanung nie wieder in Betracht gezogen.

Notgedrungen mussten wir die Entscheidung für einen Neubau am Gymnasium hinnehmen und haben versucht, weiterhin konstruktiv mitzuarbeiten. In etlichen Arbeitskreisen, Besprechungen, Schulhofworkshops sowie für die Erstellung von Bedarfsund Prioritätenlisten haben Eltern, Lehrkräfte und Schüler beider Schulen viel Zeit und Energie investiert, um pädagogische Notwendigkeiten und Bedenken mit in die Planung einzubringen.

Laut Homepage der Stadt Burgdorf wünschte die Politik ausdrücklich unsere Unterstützung bei der Planung, sodass gegenüber der Öffentlichkeit der Anschein einer respektvollen Zusammenarbeit erweckt wurde.

In den gemeinsamen Sitzungen mit der Stadt wurden unsere Argumente in Bezug auf die Schulhofgestaltung berücksichtigt, bzgl. des Gebäudes jedoch größtenteils als utopische Wünsche abgetan oder mit unpädagogischen Gegenvorschlägen sofort entkräftet. Von Beginn an sahen beide Schulen ihre Raumbedarfe nicht ausreichend berücksichtigt und teilten dies mehrfach im Arbeitskreis mit.

Im aktuellen Gebäudeplan fehlen der GPGS:

  • Räume für Klassen bei aktueller Vierzügigkeit,

  • ein Klassenraum für die Sprachlernklasse,

  • Gruppenräume (u.a. für Inklusion),

  • Materialräume,

  • ein Büro für die Sozialarbeiterin.

Resultierend aus dem Raummangel ergibt sich die Notwendigkeit einer Doppelnutzung von Räumen. Dies führt zwangsläufig zu organisatorischen und pädagogischen Problemen (z.B. die Doppelnutzung der Horträume am Vor- und Nachmittag; die Unterbringung der Bibliotheken beider Schulen in einem gemeinsamen Raum). Die gemeinsame Nutzung eines Raumes für Computer- und Werkunterricht ist ein Beispiel für die sehr fragwürdigen Vorschläge seitens der Stadt, wie die vorübergehende Vierzügigkeit im neuen Gebäude bewältigt werden könnte.

Als erste Maßnahme gegen den Raummangel wurden bereits zum Schuljahresbeginn 2016/2017 die Einzugsgebiete entsprechend angepasst bzw. verkleinert, um damit einer zukünftigen Vierzügigkeit entgegenzuwirken. Eine weitere Verkleinerung des Einzugsgebietes scheint unumgänglich, wenn man die Entwicklung der Südstadt (Neubaugebiete/Flüchtlinge/neue Kita) berücksichtigt. Einige Grundschüler der Südstadt werden in der Zukunft voraussichtlich mit Bussen zu den weiter entfernt liegenden Grundschulen fahren müssen.

Bezüglich des Raumkonzepts mussten wir schon andere gravierende Einschränkungen akzeptieren, wie z.B. den „offenen Marktplatz“, der gleichzeitig als Mensa für beide Schulen (!), Aula, Treffpunkt sowie als Durchgang zu den Klassenräumen und Büros fungiert. Dieses offene Raumkonzept des Marktplatzes mit den direkt angrenzenden Büroräumen ist hinsichtlich der Lärmbelastung und der schwer zu gewährleistenden Aufsicht für uns eine weitere auferlegte Notlösung. Das pädagogische Prinzip der „Offenen Türarbeit“ der Schulleitung, der Sekretärin, der Koordinatorin für den Nachmittag und der zukünftigen Sozialpädagogin wird mit dieser Raumplanung unmöglich gemacht.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang der ursprünglich geplante Neubau eines separaten Mensa-Gebäudes, das auch als Lärmschutz zwischen dem Schulhof der Grundschule und dem Gymnasium dienen sollte. Dieses Vorhaben wurde zeitintensiv im Arbeitskreis geplant und sogar durch eine Ortsbegehung auf dem Schulhof konkretisiert. Im Zuge der Entscheidung für den Neubau ersetzte der Marktplatz „wie aus dem Nichts“ das ursprünglich geplante Mensa-Gebäude.

Zudem sind grundsätzliche Aspekte, die einer vorausschauenden und detaillierten Planung bedürfen, in den Sitzungen mit der Stadt zwar angesprochen, aber nie hinreichend geklärt worden:

  • Stehen der GPGS in der vorgesehenen Turnhalle, die zurzeit vormittags nicht ungenutzt ist, überhaupt genügend Stunden zur Verfügung? Es muss der Sportunterricht aller Klassen gewährleistet werden. Darüber hinaus sind zusätzliche Turnhallenstunden für Arbeitsgemeinschaften im Rahmen der „sportfreundlichen Schule“ unerlässlich.

  • Gibt es ausreichend Lehrerparkplätze für das gesamte Lehrerkollegium beider Schulen?

  • Was wird unternommen, um der schon zurzeit sehr prekären Verkehrssituation zu den Stoßzeiten vor dem dann noch größeren Schulkomplex Herr zu werden?

Weiterhin sind wir nicht bereit, Kompromisse in der bisher guten Planung des Schulhofes hinzunehmen.

Der Vorschlag von Herrn Loske, der – zum Zwecke des Lärmschutzes – die Errichtung eines Zaunes durch unseren Schulhof hindurch beinhaltet, ist nicht akzeptabel, da sich für die GPGS dadurch der Schulhof um ca. ein Fünftel der bisher vorgesehenen Gesamtfläche verkleinern würde.

Der Schulhof der Grundschule wird nicht nur in den Pausenzeiten genutzt, sondern dient auch als Lernort und als wichtige Bewegungsfläche, insbesondere für die Kinder, welche die Ganztagsschule in Anspruch nehmen. Würden die Vorschläge bzgl. des Lärmschutzes so umgesetzt, wie von Herrn Reichert, dem Fachberater für Akustik, in der vierten Sitzung des Arbeitskreises erläutert, würde sich die aktuelle Diskussion über die Errichtung des Zaunes erübrigen.

Entschieden wehren wir uns gegen die Vorwürfe im Artikel von Joachim Dege vom 10.03.2016 im Burgdorfer Anzeiger (HAZ). Herr Dege unterstellt uns angesichts der Investitionssumme von 12 Millionen Euro für den Neubau fehlende „Dankbarkeit“ und eine „völlig irrationale Anspruchshaltung“.

Wir halten unsere „Ansprüche“ keinesfalls für überzogen, lehnen nur eine minimalistische und wenig vorausschauende Planung und Ausführung des neuen Schulgebäudes ab.

Es sollte im Interesse aller sein, gerade im Hinblick auf die hohe Investitionssumme für Burgdorf eine zukunftsträchtige und ganzheitliche Schullandschaft zu konzipieren, welche die aktuellen Entwicklungen der Stadt berücksichtigt und nicht schon vor der Errichtung einem Sparmodell gleichkommt.

 

Das Kollegium der Gudrun-Pausewang-Grundschule Burgdorf, 18.03.2016

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